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By Katharina Strobel. Erlangener Arzt und EU-Abgeordneter machen sich für ganzjährige „Normalzeit“ stark.


Als er über das Unglück eines vierzehnjährigen Mädchens las, das morgens um 6.30 vor einen LKW gelaufen war und sich schwer verletzt hatte, war für Hubertus Hilgers aus Erlangen der Zeitpunkt des Handelns gekommen. Der Mediziner schritt zur Tat. Für ihn bestand kein Zweifel daran, dass die Sommerzeit der eigentliche Unfallverursacher war. Der Vorfall habe sich im April ereignet, gerade nach der Zeitumstellung.

„Nicht um 6.30, sondern um 5.30 war das Mädchen auf dem Weg zur Schule,“ erklärt Hilgers, „zu der Zeit befindet der Körper sich eigentlich noch in der Tiefschlafphase.“ Der Arzt suchte Belege für das, was er schon lange an seinen Patienten diagnostiziert hatte: „Die Sommerzeit macht uns krank.“ Er sammelte Studien zum Thema, wandte sich an das Bundesgesundheitsministerium und startete eine Petition, mit dem Ziel, die Sommerzeit abzuschaffen.

Ein paar Hundert Stimmen verzeichnete Hilgers vergangenen Sommer. Inzwischen sind es 55.000 Unterstützer, darunter Stimmen aus anderen europäischen Ländern. Kein Wunder: Die Sommerzeit ist in Brüssel bei der EU gesetzlich verankert. Alle EU-Mitgliedsstaaten sind per EU-Richtlinie angehalten, die Uhr am letzten Wochenende im März eine Stunde zurück und am letzten Wochenende im Oktober eine Stunde vorzudrehen.

„Wir haben de facto nur fünf Monate Normalzeit und sieben Monate Sommerzeit“, klagt der Erlangener Arzt. Er selbst leide seit Einführung der Zeitumstellung im Jahr 1980 an ihr. Damals sei er als 17-Jähriger Schüler kalt von der neuen Regelung erwischt worden. Was laut Gesetzestext zu Energiesparmaßnahmen führen sollte, resultierte bei Hilger in schlechteren Leistungen im Sommerhalbjahr.

Inzwischen lebt Hubertus Hilger immer in der Normalzeit und trägt zur Sommerzeit zwei Uhren, um nicht mit Terminen im offiziellen Zeitraster in Konflikt zu geraten. Eine Lösung sei das allerdings nicht. Umso mehr hofft der Wahl-Erlangener, dass er jetzt Unterstützung aus Brüssel bekommt. In Herbert Reul, dem Vorsitzenden der CDU/CSU Gruppe im Europaparlament, hat Hilgers einen Verbündeten gefunden. Reul bemüht sich seit langem um die Abschaffung der Zeitumstellung – bislang ohne Erfolg.

Seit Oktober 2005 hakt der CDU-Mann bei der EU-Kommission nach. Er sucht nach Gründen und Vorteilen der Zeitumstellung. Dass die ursprünglich anvisierte Energiesparmaßnahme gescheitert ist, stellt auch bei der EU-Kommission heute keiner mehr in Frage. Dennoch hält die Brüsseler Behörde an der Regelung fest. Begründung: Es kommen keine entsprechenden Signale aus den Mitgliedsstaaten. Auch könne nicht ausreichend belegt werden, was für Hubertus Hilgers eine Tatsache ist. Dass die Menschen leiden, Verkehrsunfälle durch Schlaf- und Konzentrationsmangel verursachen und krank werden.

Hubertus Hilgers erinnert an das alte Rom. Schon damals hätten sie Schlafentzug als Foltermethode verwandt. Die Zeitumstellung zur Sommerzeit, die seiner Auffassung nach der inneren Körperuhr widerspricht, ist für ihn eine moderne Form der Folter: Daumenschrauben in Form von Uhrzeigern. „Als Arzt will ich meinen Patienten helfen und dafür kämpfe ich“, sagt Hilgers entschlossen. Er sammelt weiter Unterschriften und erwägt notfalls eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. „Schlaf ist ein elementares Grundbedürfnis des Menschen“, so Hilgers. Ab Sonntag gibt es davon wieder eine Stunde weniger.

Teilnehmen an der Petition ist möglich unter: www.initiative-sonnenzeit.de oder www.zeitumstellung-abschaffen.de

A version of this article was published in Donaukurier on 30 March 2014.

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